Ausstellungseröffnung: 31. Mai 2007, 19 Uhr
Einführung: Stadtbaurätin LH München Dr. Elisabeth Merk


Janson + Wolfrum / Architektur + Stadtplanung

Steht der Bau eines kompletten Stadtteils, wie der Scharnhauser Park, nicht unter dem Geist der Machbarkeit der Moderne? Hat die Profession nicht lange gedacht: So etwas machen wir nie wieder? Komplett neue Stadtteile, das waren doch Illusionen des Zukunftsglaubens der 60er Jahre. Diese Illusionen und diese Selbstgewissheit haben wir heute nicht mehr. Wir vermeiden selbstverständlich die Fehler dieser Zeit, wir gehen solch ein Projekt gemächlicher, skeptischer und mit höherer Komplexität an. Wir kennen die sozialen Probleme, die zu erwarten sind, reagieren von Beginn an. Nachhaltigkeitsstrategien und Umweltmanagement, Bürgerbeteiligung und Prozessorientierung, soziale Einrichtungen und öffentliche Räume, Freizeiteinrichtungen und Landschaftsbezüge, öffentlicher Nahverkehr und sparsame Erschließung, die Liste der heutigen Selbstverständlichkeiten ließe sich fortsetzen. Dennoch werden wir neue Fehler machen und gemacht haben, sie zeichnen sich ab, wenn wir die großen Konversionsprojekte der 90er Jahre anschauen, die mittlerweile Gestalt annehmen.
_ Der städtebauliche Entwurf Scharnhauser Park greift auf Merkmale der Europäischen Stadt zurück: kompakte Siedlung, deutliche Bezüge zur Landschaft, artikulierte öffentliche Räume. Das Siedlungsprojekt entwickelt sich zugleich in einer typischen und fast exemplarisch zu bezeichnenden Situation von Zwischenstadt auf den Fildern bei Stuttgart. Diese Region steht weiterhin unter enormen Entwicklungsdruck, Flughafen, Messe, ein zukünftiger ICE-Anschluss und zwei Autobahnen sind die Motoren. Die Stadt Ostfildern selbst besteht aus mehreren, in die Landschaft der Filder eingebetteten, disparaten Ortsteilen. In diesem patchwork von widerstrebenden regionalen und lokalen Interessen, räumlichen Splittern und überregionalen Netzen gilt es, Position zu beziehen. Das Ziel ist, in einer komplexen zeitgenössischen StadtLandschaft architektonisch deutlich artikulierte städtische Räume zu schaffen. Dies ist eine der großen zukünftigen Aufgaben im Städtebau. Der Scharnhauser Park in der Stadt Ostfildern ist in diesem Kontext ein Experiment. Das Projekt wurde mit dem von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung mit dem Städtebaupreis 2006 ausgezeichnet.

Die Projekte von Alban Janson (Architekt) und Sophie Wolfrum (Stadtplanerin) bearbeiten die Schnittstelle zwischen Architektur, Städtebau und Urbanistik. Dahinter steht ein präzises und zugleich umfassendes Verständnis von Architektur als „artikuliertem Raum“, das unabhängig von Maßstab und Bauaufgabe ist.
Die Projekte des Büros sind Beiträge zu einer architektonischen Urbanistik oder zu einer szenischen Architektur. Der performative Aspekt von Architektur ist der entscheidende.

Städtebaupreis 2006, Ausstellung DASL
Mit dem Städtebaupreis werden von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) städtebauliche Projekte prämiert, die sich durch nachhaltige und innovative Beiträge zur Stadtbaukultur sowie zur räumlichen Entwicklung im städtischen und ländlichen Kontext auszeichnen. Neben dem „klassischen“ Städtebaupreis wird ein Sonderpreis ausgelobt, der vor allem dem „Aufspüren“ neuer städtebaulicher und stadtplanerischer Handlungsfelder, Strategien und Verfahrenswege dient. Der Preis wird von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung ausgelobt. Er wird gefördert von der Wüstenrot Stiftung Ludwigsburg. Schirmherr ist Christian Ude, Präsident des Deutschen Städtetages.

Auszeichnungen
_ Stadt Ulm für das Projekt Neu Mitte. 
_ Stadt München für Messestadt München-Riem.
_ Hansestadt Wismar für Strategien im Kontext der historischen Stadt.

Sonderpreis 2006
zu gleichen Teilen für scheinbar diametrale Konzepte zur Zukunft der Europäischen Stadt: Zwischenstadt und Planwerk Innenstadt Berlin.
_ Die von Thomas Sieverts entwickelten Gedanken zur „Zwischenstadt“, wurden von Wolfgang Christ und Lars Bölling, Bauhausuniversität Weimar, im Raum Frankfurt am Main in einer sehr komplexen Studie auf ihre Tragfähigkeit untersucht.
_ Mit dem Planwerk Innenstadt Berlin liefern Dr. Stimmann und seinem Team eine Grundkonzeption und die ersten Schritte zur Wiedergewinnung städtischer Strukturen und entfachen damit den städtebaulichen Diskurs. 

Auszeichnungen
_ „Grünmetropole“ ist ein länderübergreifendes Entwicklungskonzept im Grenzraum Belgien, Niederlande, Deutschland, im Rahmen der EUregionale 2008.
_„Bürger bauen ihre Stadt“: Die Stadt Leipzig stellt dem Erosionsprozess einzelner Stadtquartiere eine „Halt“ entgegen.


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