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Holzkultur Japan – Baustellen und Werkstätten
Ausstellung und Buchvorstellung

Pressetext
Ausstellung: Holzkultur Japan

Architekturgalerie München
Türkenstraße 30 80333 München

Eröffnung: 2. Dezember, 19.00 Uhr
Dauer: 3.12.2004-15.1.2005

www.architekturgalerie-muenchen.de


Holzkultur Japan – Baustellen und Werkstätten

Japan ist weltweit Inbegriff für traditionelles Bauen mit Holz und vielfältigste Verwendungen dieses Werkstoffes in allen Lebensbereichen. Auf der Grundlage einer langen handwerklichen Tradition entstanden Produkte von unerreichter technischer Raffinesse, materialgerechter Verarbeitung und minimalistischer Gestaltung. Japans Stellung als „Holzkultur“ ist auch insofern einzigartig, als sich nirgends sonst das Holzhandwerk in so viele Berufe und Fachrichtungen aufgeteilt hat. Zugleich entwickelte sich hier eine besondere Sensibilität für die ästhetischen Qualitäten des Materials.

Die Geschichte des japanischen Holzhandwerks gleicht einem Baum, der sich immer weiter verzweigt. Einen Einbruch erlebte das Handwerk erst nach dem Krieg im Zuge der rapiden Industrialisierung und des sich dadurch verändernden Konsumverhaltens. Holz wurde durch neue Werkstoffe wie Kunststoff verdrängt, die handwerkliche Herstellung wich einer industriellen, nur noch wenige junge Leute erlernten ein Handwerk.

Die Handwerker in Japans traditionellen Werkstätten arbeiten meist im Sitzen auf dem Boden. Anders als in Europa spannt man das Werkstück nicht in einen Schraubstock ein, es wird stattdessen oft mit den Füßen gehalten. Man arbeitet also „mit allen Vieren“. Die wichtigsten Werkzeuge wie Sägen und Hobel werden gezogen. Die Handwerker haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch, sie identifizieren sich stark mit ihrer Arbeit, aus der sie ihr ganzes Selbstvertrauen ziehen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Werkstatt meist vom ältesten Sohn übernommen, bei fehlendem Nachwuchs adoptierte man auch oft einen Verwandten oder ehemaligen Lehrling. Diese automatische Nachfolge ist heute zur Ausnahme geworden, es gibt nur wenige Werkstätten, in denen Vater und Sohn zusammenarbeiten.

Heute gibt es in Japan noch gut hundert holzverarbeitende Berufe, viele davon werden jedoch nur noch von einer Handvoll alter Handwerker ausgeübt. Ausgelöst durch den drohenden Verlust hat Dr. Christoph Henrichsen, Schreinermeister, Japanologe und Kunsthistoriker aus Andernach, eine landesweite Dokumentation der Holzberufe in Japan begonnen und etwa 70 Werkstätten – vom Zimmermann für Tempelbau bis zum Zahnstochermacher – untersucht und mit dem Photographen Roland Bauer dokumentiert.

Auf der Ausstellung in der Architekturgalerie München werden das Ausschnittmodell einer japanischen Tempelhalle, eine Schiebetür, ausgewählte traditionelle Holzbearbeitungswerkzeuge sowie typische traditionelle Behältnisse und Geräte aus Holz gezeigt. Den Hintergrund bilden großformatige Schwarzweißaufnahmen, welche den Handwerker und seine Arbeit porträtieren.

Die Ausstellung soll exemplarisch auf die hohe handwerkliche und gestalterische Qualität des traditionellen japanischen Holzhandwerks aufmerksam machen, Anregungen geben und im Ausland Interesse wecken. Dieses Interesse wirkt im günstigen Fall auf Japan zurück und hilft, dass die über Jahrtausende gewonnenen Fertigkeiten der Holzbearbeitung nicht lautlos untergehen.




Im Oktober 2004 erschien im Birkhäuser-Verlag eine deutschsprachige und eine englischsprachige Publikation, in der Techniken von dreißig traditionellen japanischen Holzberufen anschaulich vorgestellt werden:

Christoph Henrichsen:

Holzkultur Japan
Bauten – Gegenstände – Techniken

Mit Fotografien von Roland Bauer

248 S.

Birkhäuser-Verlag, Basel/Bosten/Berlin


Das Buch stellt die Produkte, Techniken, handwerklichen Hintergründe und Herstellungsschritte von rund dreißig Typen vor: von Brücken über Wohnhäuser, Schiebetüren und Möbeln bis hin zu Werkzeugen, Musikinstrumenten und Spielzeugen. Im Mittelpunkt der Beschreibung steht die Genese der Gegenstände. Die einzelnen Arbeitsschritte von der Materialauswahl bis zur Oberflächenbehandlung wurden in faszinierenden Bildsequenzen festgehalten. Zusammen mit den Detailzeichnungen werden so Aufbau und Herstellung der Holzobjekte begreifbar und nachvollziehbar gemacht.


Dr. Christoph Henrichsen
- Abitur
- Lehre als Schreiner
- zwei Jahre in England als Schreiner tätig
- Meisterprüfung im Schreinerhandwerk an der HWK Köln
- Studium der Kunstgeschichte, Japanologie und Anglistik in Wien und Köln
- Mombusho-Stipendiat an der Sophia-Universität Tokyo
- Promotionsstipendium der Japan-Foundation, dreijährige Teilnahme an der Restaurierung einer mittelalterlichen Tempelhalle in Koyasan, Präf. Wakayama
- Promotion an der Universität zu Köln mit einer Arbeit über „Schutz und Restaurierung historischer Holzarchitektur in Japan“
- 2000-2002 Betreuung eines deutsch-japanischen Forschungsprojektes im Bereich der Baudenkmalpflege am Landesamt für Denkmalpflege Hessen
- Lehrauftrag und Lehrstuhlvertretung an den Universitäten Heidelberg und Dortmund
- Zur Zeit in der Denkmalpflege tätig


Roland Bauer, Dipl.-Photodesigner aus Winterberg
- hat über Jahre ländliches Handwerk in der Region Hohenlohe dokumentiert
- mehrere Bilddokumentationen zum Thema traditionelles Handwerk
- zusammen mit Henrichsen zwei einmonatige Japanaufenthalte, in deren Verlauf die Arbeit in etwa vierzig Werkstätten porträtiert wurde







Pressekontakt
Email: mail@architekturgalerie-muenchen.de


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