FOREST-SCHOOL denkt Schule als Landschaft, als Gemeinschaft und als lebendiges ökologisches System. Initiiert von Prof. Dr. Silvia Benedito in Zusammenarbeit mit der NGO KAFO entwickeln Studierende der Harvard University und der TU Graz Entwürfe für einen Lernort in Guinea-Bissau, der Umweltbildung, lokales Wissen und klimaangepasste Architektur miteinander verbindet. Die Ausstellung in der Architekturgalerie München zeigt räumliche Visionen zwischen Wald, Klimaresilienz und kollektivem Lernen.
Die FOREST-SCHOOL entsteht in der Region Oio im Norden Guinea-Bissaus entlang der Sahelzone Westafrikas — einer Landschaft, die zunehmend von Dürre, Desertifikation und ökologischer Degradation geprägt ist. Das Projekt verbindet sieben Dörfer (Tabancas) — Ionfarim, Cabaceira, Demba-so, Baite, Colombato, Manecunda und Damicunda — und richtet sich an Kinder und Jugendliche einer ländlichen Gemeinschaft, deren Lebensgrundlagen unmittelbar mit dem Zustand ihrer Umwelt verbunden sind.
Guinea-Bissau liegt in der Übergangszone zwischen der Sahara im Norden und den feuchten Savannen- und Waldlandschaften im Süden. Mit der fortschreitenden Ausbreitung des Sahel verändern sich Klima, Vegetation und traditionelle Lebensweisen spürbar. Besonders betroffen sind ländliche Regionen wie Oio, in denen Bildung, ökologische Stabilität und soziale Entwicklung eng miteinander verflochten sind.
Die FOREST-SCHOOL versteht Bildung deshalb nicht allein als Unterrichtsraum, sondern als räumliche, kulturelle und ökologische Praxis. Im Zentrum steht der Gemeinschaftswald von Djalikunda — ein Ort der Biodiversität, der Ernährungssicherung sowie des kulturellen und spirituellen Wissens. Der Wald wird zum Lernort, Labor und sozialen Treffpunkt zugleich.
Initiiert wurde das Projekt 2021 durch eine Zusammenarbeit zwischen der NGO KAFO und Prof. Silvia Benedito von der Harvard University. In intensiven Gesprächen mit lokalen Gemeinschaften entstanden erste Vorstellungen einer Schule für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, die Umweltbildung mit lokalem Wissen, kulturellen Praktiken und nachhaltiger Ressourcennutzung verbindet. Die Entwicklung erfolgt gemeinsam mit den beteiligten Dörfern, Elternkomitees und lokalen Akteur:innen.
KAFO zählt mit mehr als 25.000 Mitgliedern zu den größten bäuerlichen Organisationen in Guinea-Bissau und Subsahara-Afrika. Die Organisation engagiert sich seit über zwanzig Jahren für integrierte ländliche Entwicklung, Ernährungssouveränität, Bildung und ökologische Resilienz.
Aufbauend auf den ersten Entwürfen und Forschungen von Studierenden der Harvard University unter Leitung von Silvia Benedito wurde das Projekt anschließend am Institut für Architektur und Landschaft der TU Graz weitergeführt. Unter dem Titel HABITAT untersuchten Studierende die FOREST-SCHOOL als architektonisches und landschaftliches Gefüge, das menschliche und nicht-menschliche Lebensräume zusammendenkt.
Der Begriff HABITAT beschreibt dabei nicht nur einen Ort des Lebens, sondern ein räumliches System gegenseitiger Abhängigkeiten — zwischen Klima, Vegetation, Material, Wasser, Gemeinschaft und Wissen. Die Entwürfe beschäftigen sich mit lokalen Baumaterialien, traditionellen Konstruktionstechniken, klimatischen Bedingungen sowie mit Fragen kollektiver Nutzung und langfristiger Pflege. Architektur wird hier als Teil eines ökologischen Kreislaufs verstanden — eingebettet in natürliche Prozesse und soziale Strukturen.
Die Ausstellung in der Architekturgalerie München zeigt die Ergebnisse dieser internationalen Zusammenarbeit. Sie versammelt räumliche Untersuchungen, Modelle, Zeichnungen und spekulative Szenarien einer Schule, die Lernen, Landschaft und Gemeinschaft miteinander verbindet und neue Perspektiven auf klimaangepasste Architektur und gemeinschaftsorientierte Bildungsräume eröffnet.